Kennst du eigentlich das „Warum“ hinter meinem Buch?
„Die Gesunden lassen die Kranken nicht in ihre Welt.“
Diesen Satz las ich vor drei Jahren einem einem Artikel in unserer Tageszeitung (HAZ, 28.12.2021). Darin berichtete eine Frau Anfang 60 aus unserer Gemeinde über ihre Krebserkrankung im Endstadium. Zu dieser Zeit lebte sie bereits seit fast 20 Jahren mit dem Krebs.
20 Jahre LEBEN.
Ein Leben, in dem sich Freunde immer weiter zurückzogen, weil sie Berührungsängste mit der Krankheit hatten.
Ein Leben, in dem Bekannte zunehmend Unverständnis entwickelten, wenn die Dame aufgrund akuter Therapienebenwirkungen kurzfristig Verabredungen absagen musste.
Ein Leben, in dem Menschen ihr freundlich lächelnd aus der Entfernung zuriefen, dass man sich ja „irgendwann“ wieder einmal treffen könne. Irgendwann.
Ein Leben, in dem die Krebserkrankung automatisch mehr Raum einnahm, weil sich ihr soziales Umfeld immer weiter zurückzog. Dabei war es ihr so wichtig, ihr soziales Umfeld.
„Die Gesunden lassen die Kranken nicht in ihre Welt.“
Es ist dieser Satz, der mich tief berührt hat. Denn ich konnt so Vieles von dem, was die Dame im Interview erzählte, im Herzen nachfühlen. Auch ich hatte in meinem Leben bereits viele Situationen erlebt, in denen mein Gesprächspartner nicht mit mir über den Krebs reden wollte. Weil es zu unangenehm war oder zu sehr schmerzte.
Gleichzeitig kannte ich aber auch die andere Perspektive. Die der „Gesunden“, die keine Worte hatte, wenn Freunde und Familienmitglieder an Krebs erkrankt waren.
So beschloss ich, die Damen aus dem Artikel zu kontaktieren und mit ihr das Gespräch zu suchen. Nicht IRGENDWANN, sondern jetzt. Mit diesem Gespräch begann meine Buchreise, denn die Dame wurde zu meiner ersten Interviewpartnerin. Ich bin froh, dass ich diese Chance ergriffen habe, denn leider ist sie bereits im vergangenen Jahr verstorben und wird so das Erscheinen des Buches im nächsten Jahr nicht mehr miterleben.
Doch wir waren uns einig darüber, dass wir bei allem, was der Krebs uns bereits im Leben gekostet hatte, dieser Krankheit eines nicht mehr schenken wollten: Unser Schweigen.
Mit diesem Gespräch fing meine Buchreise an.
Und mit diesem Gespräch fängt alles an. Mit dem mitfühlenden Gespräch, das wir uns trauen, im Alltag zu führen. Auch, oder vielleicht besonders dann, wenn der Krebs mit im Spiel ist.
Das ist das „Warum“ hinter meinem Buch.
Mit meinem Buch möchte ich versuchen, eine Brücke zu bauen. Zwischen zwei Welten, die eigentlich nur eine ist. Eine Welt, in der die Krankheit Krebs viele Ängste und schmerzhafte Gefühle auf beiden Seiten der „Betroffenheit“ hinterlässt. Und daher ist es wichtig, dass wir dieses Thema mehr und mehr besprechbar machen. Denn es betrifft uns alle. Privat und beruflich.
Besonders dort, wo uns die Krankheit Krebs sprachlos macht, möchte ich versuchen, Worte zu finden, wenn sie fehlen. Denn die Krankheit findet leider weiterhin statt. Und das mitten im LEBEN. Ein Leben, das auch mit der Erkrankung viele kostbare Momente der Freude und Dankbarkeit bereithält.
Das ist das „Warum“ hinter meinem Buch.
Weil Krebs allein schon schwer genug ist.