Frühjahrsputz

Corona – und auf einmal ist alles anders! Bis vor einer Woche habe ich noch jede freie Minute für die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gelernt. Sie hätte am vergangen Mittwoch stattfinden sollen. 600 Prüflinge aus ganz Niedersachsen in einem Vorlesungssaal der Uni Lüneburg. Fünf Tage vorher war klar – die Prüfung wird abgesagt. Die nächste Chance: Oktober 2020! Den Weg dieser Ausbildung hatte ich eingeschlagen, um ein Angebot für Menschen mit einer Krebserfahrung anzubieten, das auch die Schreibtherapie umfasst. Weil ich aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als (Krebs)Bloggerin weiß, wie heilsam das Schreiben sein kann… :-)

An diesen Weg hat Corona nun erst einmal ein Stop-Schild aufgestellt und zwingt mich, einen Moment an der durchgezogenen Linie anzuhalten, um mich links und rechts wieder einmal zu orientieren, wer oder was da des Weges kommt. Und was da auf einmal frei wird, ist viel Zeit daheim. ZEIT! Das Kostbarste, was wir besitzen. Zeit, die ich nun selbst voller Freude nutze, um diesen Blog, der mir so am Herzen liegt, einem Frühjahrsputz zu unterziehen. Weiterlesen

Vom Beruf zur Berufung

Ein Jahr lang war ich nun zu Hause. Ohne Job. War raus aus dem Beruf. Weil ich es wollte. Weil ich es brauchte. Habe mich um Haus, Kind und Hof gekümmert; und um den Umzug unseres Familienlebens von der Schweiz nach Deutschland, was wahnsinnig viel Bürokratie, Zeit und Nerven in Anspruch genommen hat. Ich hatte es mir so ausgesucht. Hatte sie selbst gewählt, diese berufliche Auszeit. Hatte sie wählen können, weil die Möglichkeit da war. Finanziell und organisatorisch. Was für ein Luxus!

Ich habe sie genossen – diese Zeit der freieren Zeiteinteilung. Weil ich mir seit meiner Krebserkrankung eigentlich nie richtig Zeit genommen habe, um einmal inne zu halten. Nach zehn Monaten Therapie ging es gleich weiter als PR-Beraterin. Kur oder Reha? Im Schweizer Gesundheitssystem nicht angezeigt. Die Überforderung kam nach wenigen Monaten. So weiter machen, wie vor der Krankheit konnte ich nicht mehr. Weiterlesen

Auf zu neuen Ufern

Beruf oder Berufung. Das war hier die Frage, die ich mir stellte, nachdem mich meine Krankheit in eine vergleichsweise grosse Job-Sinnkrise gestürzt hatte. Da hatte ich die letzten 15 Jahre damit verbracht, meinen beruflichen Weg zu finden. Hatte mich aus- und weitergebildet, hatte studiert, mich bei diversen Praktika ausprobiert und war dann nach einigen Jahren voller Eifer in einen Berufsalltag gestartet. Im vollkommenen Bewusstsein, dass ich den Weg gefunden hatte, den ich gehen wollte. Die Leidenschaft für das, was ich tat, hatte mich in meinem jugendlichen Leichtsinn vielleicht zu oft über die zu hohe Anzahl an nicht kompensierbaren, im Gehalt bereits abgegoltenen Überstunden hinwegsehen lassen. Das für meine reellen Arbeitsstunden viel zu geringe Gehalt war für mich in meiner Bewertung immer zweitrangig gewesen. Schliesslich war es für mich ja viel wichtiger, dass ich meinen Job gerne machte. Und insgesamt konnte ich von meinem Gehalt ja gut leben. Doch die Zeit für eben dieses Leben wurde irgendwie immer weniger.

Dann kam die Krankheit – und mit ihr all die Fragen über Sinn und Unsinn meiner bisherigen Lebenszeit. Weiterlesen