RespekTIERE meine Grenzen

RespekTIERE deine Grenzen. Selten war dieses Thema so präsent in meinem Leben, wie heute. Innerhalb und ausserhalb meines Körpers. Innerhalb und ausserhalb unserer Gesellschaft. Die Flüchtlinge, die aus Kriegsgebieten zu uns kommen, müssen viele von ihnen überwinden. Viele schaffen es, doch viel zu viele scheitern. Innerhalb oder ausserhalb des europäischen Körpers.

Irgendwie denke ich, dass ein stabiles und funktionierendes Europa – so wie ich es mir wünschen würde –  sehr viel von einem gesunden menschlichen Körper lernen kann.

Alle Organe entstammen aus der gleichen Ursprungszelle; haben sich aber im Verlauf der Zeit so weiterentwickelt, dass sie ihre ganz eigene Kultur gebildet haben. Jedes Organ in uns hat seinen individuellen Zweck, kann aber auch nicht ohne das Gesamtkonstrukt „Körper“ überleben. In einem gesunden Körper respektieren alle Zellen ihre eigenen Organgrenzen und ermöglichen uns durch ein sehr komplexes Zusammenspiel von Herzschlag, Blut- und Sauerstofftransport, dass wir überhaupt leben können. Die „Menschen“ in uns – namentlich Blut, Sauerstoff und viele andere Nährstoffe –  geniessen auch in unserem Körper eine unbeschränkte „Personenfreizügigkeit“. Der menschliche Organismus ist in sich ein Paradebeispiel für ein respektvolles Miteinander und das Respektieren von Grenzen. Weiterlesen

RespekTIERE deine Grenzen

Grenzen1Eigentlich wollte ich diesen Beitrag schon vor langer Zeit schreiben. Der Aufhänger dazu war ein Schild mit der Aufschrift „RespekTIERE deine Grenzen“, das ich beim Joggen im Wald entdeckt hatte. Eigentlich soll dieses Schild die Besucher des Naturschutzgebietes dazu auffordern, die heimischen Tiere in ihrem Reservat nicht zu stören. Doch irgendwie empfand ich die Worte „RespeTIERE deine Grenzen“ als Aufforderung, einmal über meine eigenen Grenzen nachzudenken.

Eigentlich wollte ich darüber schreiben, wie der Krebs mir so drastisch vor Augen geführt hat, dass ich meine körperlichen Grenzen irgendwie überschritten hatte. Eigentlich sollte es in diesem Beitrag darum gehen, dass ich mich seit meiner Krebserkrankung stets innerhalb meiner eigenen Grenzen bewege; aus Angst vor einem Rückfall, sollte ich sie wieder überschreiten. Eigentlich wollte ich darüber berichten, wie stark die Menschen in meinem Umfeld tagtäglich über ihre eigenen Grenzen gehen. Körperlich, geistig und seelisch. Eigentlich sollte es darum gehen, dass es wohl immer mehr zum normalen Alltag gehört, seine eigenen Grenzen nicht mehr wahrzunehmen. Eigentlich wollte ich mich aber auch kritisch hinterfragen, wie langweilig ein Leben werden kann, wenn man seine Grenzen nicht manchmal bewusst herausfordert. Wie gesagt – eigentlich.

Doch dann ist habe ich eines Sonntagmorgens dieses Foto in der NZZ am Sonntag gesehen.

Quelle: NZZ am Sonntag (14. Februar 2016)

Es ist eines der vielen Bilder, die man zurzeit häufig in den Medien zu sehen bekommt. Es ist eines dieser vielen Bilder zur Flüchtlingskrise, die mich schokieren. Es ist eines unter vielen, doch der Blick dieses Mädchens hat mich besonders ins Herz getroffen. Der dazugehörige Beitrag dreht sich um die verlorene Kindheit der Flüchtlingskinder und wirft die Frage auf, wie sich die belastenden und teilweise gewaltvollen Grenzerfahrungen auf die Psyche und Zukunft dieser Kinder auswirken wird. Und in Zeiten, in denen ich versuche, meinem eigenen Kind – so gut es geht – eine heile Welt zu präsentieren, frage ich mich, welchen Einfluss der neue Umgang mit Grenzen in Europa auf unsere Welt von morgen hat. Weiterlesen