Oh Tannenbaum

„Wann habt ihr das erste Mal euren eigenen Tannenbaum gehabt?“, hatte mich meine Mutter gefragt, als ich heute mit meinem Sohn Kugeln und Sterne an die Nordmanntanne hängte.

„Als ich krank geworden bin“, hatte ich geantwortet.

Meine Krebsdiagnose traf mich damals im November. Die erste Chemotherapie folgte am Nikolaustag. In der Nacht von Heiligen Abend auf den erste Weihnachtstag begannen meine Haare auszufallen. Am zweiten Feiertag beschloss ich, sie abzurasieren. Manch einer mag nun denken, dass mein Krebs-Timing nicht schlimmer hätte sein können, doch es ist genau dieses Weihnachtsfest vor sieben Jahre, das ich als das friedlichste in meinem bisherigen Leben in Erinnerung habe. Weiterlesen

Diagnose Day

Fast hätte ich ihn nicht bemerkt. Meinen Tag der Brustkrebs-Diagnose. So alltäglich ist mein Alltag wieder geworden. Erst als ich meinen Sohn vor seine Grössenmesslatte stellte und neben den „Laufenden Meter“ das heutige Datum schrieb, fiel es mir auf. Ein bisschen Trauer, dass ich ihn nicht früher wahrgenommen hatte. Ein bisschen sehr viel mehr Freude darüber, dass ich bereits zum 7. Mal meinen persönlichen zweiten Geburtstag feiern kann.

Und ich habe ihn zelebriert. Im Stillen. Für mich. Die Freude über die Umarmungen von meinem Sohn war heute noch grösser. Die Zufriedenheit in mir… unbeschreiblich. Die Dankbarkeit für mein Leben… kaum in Worte zu fassen. Und so habe ich doch noch angestossen. Mit meinem Mann, der trotz 1’000 km räumlicher Distanz und Wein per Videotelefonie so tief in meinem Herzen ist. Mit meiner Mutter, die auf einmal in der Wohnung unter mir wieder ganz nah in meinem Alltag ist. Und mit mir selbst. Im Inneren. In Dankbarkeit darüber, dass der Schmerz, die Hilflosigkeit und die Ohnmacht dieses Tages nur noch Mahnmal und Erinnerungen sind.

Ich geniesse den Wein und leere das Glas, denn heute ist ein guter Tag. Einfach, weil ich leben darf. Santé!

Alles hat ein Ende, nur der Krebs hat keins

„Vielleicht ist es ab nun deine Aufgabe, dein Leben nicht immer bei jedem kleinstem Verdacht entgleisen zu lassen.“

Diesen scheinbar simplen, aber manchmal schwierig umzusetzenden Ratschlag hatte mir meine Freundin bei unserem letzten Telefonat gegeben. Zuvor hatte ich ihr erzählt, dass ich wieder einmal etwas genauer abklären lassen muss. Dieses Mal in der linken Brust. Ort des Geschehens vergangener Krebsszenarien. 2017 beginnt doch wirklich genauso, wie 2016 aufgehört hat.

„Eine kleine Unsicherheit von 2 mal 5 mm“, hatte meine Ärztin mir per E-Mail geschrieben. „Winzig, aber kontrollbedürftig.“ Anstatt eine normale Mammografie durchzuführen, hatte sie mich vorab in eine MRI gesteuerte Mammografie geschickt, um einmal die Dynamiken in meinem Gewebe anzuschauen. Und da war sie nun – die kleine, grosse Unsicherheit, die der Radiologe in seinem Bericht erwähnt hatte. Weiterlesen