Vom Beruf zur Berufung

Ein Jahr lang war ich nun zu Hause. Ohne Job. War raus aus dem Beruf. Weil ich es wollte. Weil ich es brauchte. Habe mich um Haus, Kind und Hof gekümmert; und um den Umzug unseres Familienlebens von der Schweiz nach Deutschland, was wahnsinnig viel Bürokratie, Zeit und Nerven in Anspruch genommen hat. Ich hatte es mir so ausgesucht. Hatte sie selbst gewählt, diese berufliche Auszeit. Hatte sie wählen können, weil die Möglichkeit da war. Finanziell und organisatorisch. Was für ein Luxus!

Ich habe sie genossen – diese Zeit der freieren Zeiteinteilung. Weil ich mir seit meiner Krebserkrankung eigentlich nie richtig Zeit genommen habe, um einmal inne zu halten. Nach zehn Monaten Therapie ging es gleich weiter als PR-Beraterin. Kur oder Reha? Im Schweizer Gesundheitssystem nicht angezeigt. Die Überforderung kam nach wenigen Monaten. So weiter machen, wie vor der Krankheit konnte ich nicht mehr. Weiterlesen

Leben anstatt Überleben…

…das ist mein guter Vorsatz für 2017. Eigentlich halte ich nicht viel von guten Vorsätzen zur Jahreswende, denn ich bin überzeugt davon, dass mir jeder einzelne Tag die Möglichkeit gibt, etwas zu verändern. Aber in diesem Jahr möchte ich die Chance nutzen, nicht nur hinter 2016 sondern auch hinter meine Brustkrebserfahrung einen Haken zu machen und für 2017 einen wichtigen Vorsatz zu fassen.

Zwei Wochen zuvor…

„Wenn ich mir das jetzt so anschaue, dann würde ich mit der Biopsie mal bis nach Weihnachten warten“, hatte meine Ärztin gesagt. Der Fleck auf meinem Dekolleté hatte sich seit Donnerstag so markant verkleinert, dass das Bedrohliche kaum mehr ein Gesicht hatte. Anstatt dessen ein Kontroll-Ultraschall der Brust und der Lymphknoten. Alles in Ordnung! Soweit man das beurteilen kann. Durchatmen. Erleichterung. Zumindest für einen Moment.

„Ganz hundertprozentig können wir uns natürlich nie sicher sein“, schob sie dann noch hinterher. Weiterlesen

ICH BIN DA UND LEBE

„Glaubst du nicht auch, dass der Brustkrebs bei dir nur ein Ausrutscher gewesen ist?“, hatte mich mein Mann vor einigen Tagen gefragt.

„Keine Ahnung. Ich wünsche es mir“, hatte ich geantwortet.

Wunsch oder Wirklichkeit. Heute ist es egal. Denn ich habe etwas zu feiern. HEUTE. An diesem unerwartet sonnigen 22. Novembertag. ICH BIN DA UND LEBE! Auf den Tag genau 5 Jahre nach meiner Brustkrebs-Diagnose. Five-Years-Progression-Free-Survival wird es im onkologischen Fachjargon genannt. Das ist der Grund, warum ich heute mit meinem Sohn 5 blaue Luftballons aufgeblasen habe. Das ist der Grund, warum ich heute leise mit meinem Mann mit Champagner anstossen werde. ICH BIN DA UND LEBE. Punkt.

Vor einigen Jahren hätte ich damit als vom Brustkrebs geheilt gegolten. Mittlerweile haben die Mediziner diese Prognose bei Brustkrebs auf 10 Jahre krebsfreies Leben erweitert. Egal. ICH BIN DA UND LEBE. Weiterlesen

Leben ist, wenn neues Leben beginnt

Nach meiner abgeschlossenen Brustkrebs-Behandlung war ich auf der Suche. Und ich bin es wahrscheinlich immer noch. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Warum bin ich überhaupt (noch) da? Was will ich sein auf dieser Welt? Welchen Beitrag möchte ich leisten? Macht mein Alltag für mich eigentlich noch Sinn?

Viele Dinge, Verhaltensweisen und Angewohnheiten habe ich über Bord geworfen. Viele Veränderungen haben in mir stattgefunden. Einige Dinge sind geblieben.

Ich kann nicht behaupten, dass ich bereits alle Antworten auf meine Fragen gefunden habe. Das wird wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang andauern. Aber einen Sinn des Lebens durfte ich vor kurzem am eigenen Leib erfahren: Ich bin Mutter. Geworden. Einfach so über Nacht. Noch nicht ganz angekommen in meiner neuen Rolle. Aber so unendlich dankbar dafür.

Es ist da: das neue Leben in meinem Leben. Vieles ist noch ungewohnt. Neu. Noch nicht ganz eingespielt. Aber schon jetzt gibt mir diese neue Aufgabe auf erstaunlich einfache Weise so viele Antworten auf meine Frage, was das Leben auf dieser Welt ausmacht. Weiterlesen

Auf zu neuen Ufern

Beruf oder Berufung. Das war hier die Frage, die ich mir stellte, nachdem mich meine Krankheit in eine vergleichsweise grosse Job-Sinnkrise gestürzt hatte. Da hatte ich die letzten 15 Jahre damit verbracht, meinen beruflichen Weg zu finden. Hatte mich aus- und weitergebildet, hatte studiert, mich bei diversen Praktika ausprobiert und war dann nach einigen Jahren voller Eifer in einen Berufsalltag gestartet. Im vollkommenen Bewusstsein, dass ich den Weg gefunden hatte, den ich gehen wollte. Die Leidenschaft für das, was ich tat, hatte mich in meinem jugendlichen Leichtsinn vielleicht zu oft über die zu hohe Anzahl an nicht kompensierbaren, im Gehalt bereits abgegoltenen Überstunden hinwegsehen lassen. Das für meine reellen Arbeitsstunden viel zu geringe Gehalt war für mich in meiner Bewertung immer zweitrangig gewesen. Schliesslich war es für mich ja viel wichtiger, dass ich meinen Job gerne machte. Und insgesamt konnte ich von meinem Gehalt ja gut leben. Doch die Zeit für eben dieses Leben wurde irgendwie immer weniger.

Dann kam die Krankheit – und mit ihr all die Fragen über Sinn und Unsinn meiner bisherigen Lebenszeit. Weiterlesen