8 ist gleich ∞

Eigentlich habe ich es nie so geplant, aber ich habe es mir zur guten Gewohnheit gemacht, meinen Tag der Krebsdiagnose jedes Jahr mit einem kleinen Ritual, einer kleinen Geste zu feiern. Nicht, weil der Brustkrebs so ein wunderbares Ereignis in meinem Leben war, sondern weil ich es seit meinem Tag X geschafft habe, zu überleben. Oder besser gesagt – WIEDER ZU LEBEN!

Während viele meiner Freundinnen in diesem Jahr bei ihren „40 aber fabelhaft“-Geburtstagspartys eine Krise nach der nächsten schieben, mache ich an diesem meinem Diagnose-Tag im November Luftsprünge, weil ich es wieder ein Jahr voller Gesundheit geschafft habe.

Gestatten: mein Name ist Susanne und ich bin 8 Jahre alt!

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Im Leben keine Zeit

„Wieviel Zeit bleibt mir wohl noch, um meine Lebensträume zu verwirklichen?“

Ich sitze in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, als mir dieser Gedanke kommt. Morgens um sieben Uhr dreißig. Es ist ein Gedanke, den ich schon lange kenne. Ein alter Kumpel, der vor fast acht Jahren in mein Leben getreten ist. In einer Zeit, als mein Leben mir grausam endlich erschien. In einer Zeit, in der Chemotherapien, geschminkte Augenbrauen, Tumorklassifikationen und genetische Beratungen meinen Alltag beherrschten.

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken in dieser Zeit. In einer Zeit, in der ich die Möglichkeit kaum laut aussprechen konnte, dass mein Leben vielleicht dramatisch kürzer ausfallen würde, als ich mir das je vorgestellt hatte.  Und es mag vielleicht klingen, wie in einem kitschigen Hollywood-Film: aber auch ich habe mir meine Liste gemacht. Eine Liste mit all den Dingen, die ich noch tun und erleben wollte; mit all den Orten, die ich noch bereisen wollte, bevor ich mich von dieser Welt verabschiede.

Beeile dich damit, denn wer weiß, wie viel Zeit dir dafür noch bleibt?, dachte ich mir damals.

Acht Jahre sind eine lange Zeit. Länger als du damals zu hoffen gewagt hast!, geht es mir heute durch den Kopf. Weiterlesen

Mach es wie die Sonnenblume

Sunflower

„Ich kenne auf unserer Erde nichts, das mächtiger ausposaunt, wie prall doch das Leben ist, als eine Sonnenblume. Ich nehme an, der Grund dafür liegt in ihrem Namen. Den hat sie nicht bekommen, weil sie wie die Sonne aussieht, sondern vielmehr weil sie sich der Sonne zuwendet. Sie folgt während des Tages, ganz stetig, dem Lauf der Sonne, die am Himmel über sie hinweg zieht. Wie eine Satellitenschüssel für Sonnenschein. Wenn irgendwo Licht ist, und wenn auch schwaches: diese Blumen finden es. Und das ist schlichtweg bewundernswert.

Es ist eine Lehre fürs Leben.“

 

(aus Calendar Girls, mit Helen Mirren)

Eine gute Zeit!

Es ist wieder so eine Zeit, in der es sehr still geworden ist auf meinem Blog. Eine Zeit, in der ich manchmal verzweifelt nach Themen suche, über die ich an dieser Stelle schreiben kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich eigentlich immer nur zu Themen schreiben, die mit meiner Erkrankung zu tun haben. Und diese werden glücklicherweise von Jahr zu Jahr immer weniger.

Auch das gehört zum Alltag eines Breast-Cancer-Survivor. Dass die Tage nach dem Krebs eben auch wieder zum normalen Alltag werden. Dass das Leben wieder bunt wird und die Farben der Krebserkrankung nach und nach verblassen. Es ist ein gutes Leben, das sich nach all den Irrungen und Wirrungen momentan seine Bahnen durch meinen neuen Job und ein aufregendes Familienleben schlängelt. Auch darüber möchte ich an dieser Stelle einmal schreiben. Auch das muss einmal gesagt werden. Es ist eine gute Zeit! Weiterlesen

Oh Tannenbaum

„Wann habt ihr das erste Mal euren eigenen Tannenbaum gehabt?“, hatte mich meine Mutter gefragt, als ich heute mit meinem Sohn Kugeln und Sterne an die Nordmanntanne hängte.

„Als ich krank geworden bin“, hatte ich geantwortet.

Meine Krebsdiagnose traf mich damals im November. Die erste Chemotherapie folgte am Nikolaustag. In der Nacht von Heiligen Abend auf den erste Weihnachtstag begannen meine Haare auszufallen. Am zweiten Feiertag beschloss ich, sie abzurasieren. Manch einer mag nun denken, dass mein Krebs-Timing nicht schlimmer hätte sein können, doch es ist genau dieses Weihnachtsfest vor sieben Jahre, das ich als das friedlichste in meinem bisherigen Leben in Erinnerung habe. Weiterlesen

Diagnose Day

Fast hätte ich ihn nicht bemerkt. Meinen Tag der Brustkrebs-Diagnose. So alltäglich ist mein Alltag wieder geworden. Erst als ich meinen Sohn vor seine Grössenmesslatte stellte und neben den „Laufenden Meter“ das heutige Datum schrieb, fiel es mir auf. Ein bisschen Trauer, dass ich ihn nicht früher wahrgenommen hatte. Ein bisschen sehr viel mehr Freude darüber, dass ich bereits zum 7. Mal meinen persönlichen zweiten Geburtstag feiern kann.

Und ich habe ihn zelebriert. Im Stillen. Für mich. Die Freude über die Umarmungen von meinem Sohn war heute noch grösser. Die Zufriedenheit in mir… unbeschreiblich. Die Dankbarkeit für mein Leben… kaum in Worte zu fassen. Und so habe ich doch noch angestossen. Mit meinem Mann, der trotz 1’000 km räumlicher Distanz und Wein per Videotelefonie so tief in meinem Herzen ist. Mit meiner Mutter, die auf einmal in der Wohnung unter mir wieder ganz nah in meinem Alltag ist. Und mit mir selbst. Im Inneren. In Dankbarkeit darüber, dass der Schmerz, die Hilflosigkeit und die Ohnmacht dieses Tages nur noch Mahnmal und Erinnerungen sind.

Ich geniesse den Wein und leere das Glas, denn heute ist ein guter Tag. Einfach, weil ich leben darf. Santé!