Die Kraft der Gedanken

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“
(Buddhistische Weisheit)

Über diesen Beitrag musste ich mir etwas länger Gedanken machen. Gedanken über meine eigenen Gedanken. Und über das, was sie in meinem Leben auslösen.

Wenn man, so wie ich, auch nach dutzenden Tests und genetischen Abklärungen keinen offensichtlichen medizinischen Grund oder eine Erklärung für seine Krebserkrankung erhalten hat, macht man sich automatisch selber auf die Suche nach möglichen kausalen Zusammenhängen. Nicht unbedingt offensichtlich, denn ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich nie eine Antwort auf meine „Warum-Frage“ erhalten werde. Aber trotzdem kreisen meine Gedanken das eine oder andere Mal doch immer wieder genau um diese Frage. Glück oder eben Pech – nein – dieser Grund genügt mir einfach nicht, um den überstandenen Brustkrebs abzuhaken. Es ist zu wenig, um die Angst vor einem Rückfall im Zaum zu halten. Zu wenig, um sicher sein zu können, dass ich meine Gesundheit wieder ein Stück weit in der Hand habe. Irgendetwas muss es doch geben, was ich vorher falsch gemacht habe und hinterher besser machen kann. Oder nicht?

Als ich auf das Zitat der Gedanken gestossen bin, habe ich mich gefragt, ob sie ein Stück zu meinem Schicksal beigetragen haben könnten. Denn schon vor meiner Krebsdiagnose hatte ich zunehmend angstvolle Gedanken, dass mich die Krankheit treffen würde. Weiterlesen

Von Angesicht zu Angesicht

Er war mal wieder fällig: Der jährliche Kontrolltermin zur Mammografie. Schon eine Woche vorher war meine Laune im Keller. Meine Nerven zum Zerreissen gespannt. Eigentlich hatte ich gar nichts Beunruhigendes erwartet. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich an diesem Tag einfach nur eine weitere Bestätigung für meine Gesundheit erhalten würde. Und doch wollte diese Nervosität nicht weichen. Der permanent erhöhte Herzschlag. Die niedrige Schwelle zur totalen Reizbarkeit. Weiterlesen

…oh kommet doch all

„Bist du schwanger, oder was?“

Sie sind wieder da, die Fragen und Bemerkungen. Ich habe sie alle gehört in den letzten anderthalb Jahren. In 2013 und 2014. Und auch in 2015 werde ich mich vor Spekulationen und merkwürdigen Blick nicht retten können. In allen möglichen und unmöglichen Situationen. In allen Formen und Varianten. Teilweise in doppelter oder dreifacher Ausführung. Häufig nur nett und höflich gemeint, manchmal aber einfach nur gedankenlos in den Raum geschmissen. Frohes neues Jahr!

Manchmal frage ich mich, ob man wirklich eine ehrliche Antwort von mir erwartet. Vielleicht ja, vielleicht nein. Eigentlich auch egal. Fakt ist, dass mich diese Frage immer wieder in meinem Innersten trifft. Weiterlesen

Raum in mir

Irgendwie habe ich es verloren und bis jetzt noch nicht wiedergefunden – das Vertrauen in meinen Körper. Dieses sichere Gefühl, dass er alle Strapazen aushält, die ich ihm zufüge. Mein Körper wird es schon richten, dachte ich mir immer in meinem jugendlichen Leichtsinn. Das Zuwenig an Schlaf, das Zuviel an Stress und Arbeit, das Zuwenig an Ausgeglichenheit in meinem Leben. Mein Körper ist ja belastbar. Meine Gesundheit war für mich eigentlich selbstverständlich. Warum auch nicht?!

Sie war es nicht – das hat mir der Krebs gezeigt. Was schlussendlich meine Zellen aus dem Gleichgewicht gebracht hat, werde ich nie wissen. Und so sitze ich hier und muss mich wohl einfach mit der Antwort zufrieden geben, dass ich einfach mal Pech hatte. An manchen Tagen macht es mich wahnsinnig – dieses Gefühl von Machtlosigkeit gegen einen potentiellen Rückfall.

Ein Weg, um mit der Krankheit und all den negativen Gedanken fertig zu werden, sind meine wöchentlichen Yoga-Stunden. Weiterlesen

Einfach mal leben

Sie ist wieder da, die Angst. Davor, dass der Krebs zurückkehrt. Davor, dass mich eine andere schlimme Krankheit ereilt. Davor, dass mich etwas Unvorhergesehenes wieder ungefragt aus meinem Leben reisst. Meinen mühevoll zurückeroberten, selbstbestimmten Alltag wieder in tausend Stücke zerschmettert. Weiterlesen

Die Hoffnung stirbt zuletzt

„Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzter.“

Seit meiner Brustkrebsdiagnose habe ich mein Leben recht konsequent nach diesem Motto ausgerichtet. Und ich muss sagen: es lebt sich recht gut damit. Es ist ein Motto, das wahrscheinlich jeder kennt. Vielleicht nimmt es sich der eine oder andere öfter einmal vor, es umzusetzen, doch häufig verschlingt der Alltagsstress und die fehlende Zeit den entsprechenden Umsetzungswillen. Was du heute kannst besorgen, verschiebe getrost auf morgen.

Die Konfrontation mit meinen potentiell eigenen letzten Tagen, Wochen, oder Monaten, die mir mit der K-Diagnose schlagartig ins Bewusstsein getreten ist, hat es mir seitdem sehr erleichtert, mich darauf zu konzentrieren, was mir wichtig ist. Unwichtiges wegzulassen. Das Leben auszumisten. Weiterlesen

In aller Freundschaft

Ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Als ich von meiner Krebserkrankung erfuhr, hatte ich mich entschieden, ganz offen in meinem Freundes- und Familienkreis mit diesem Thema umzugehen. Vielen Leuten habe ich die Schocknachricht selbst überbracht. Jeder konnte mich dazu befragen, wenn er es wollte, oder es sein lassen, wenn er es nicht wollte. Und sie waren alle da, meine Freunde, meine Familie. Die Anteilnahme, kleinen und grossen Gesten, die aufmunternden Worte haben mich am Anfang überrascht, überwältigt und getröstet. Die offene Kommunikation mit meinem Umfeld war zugleich ein wichtiger Anker, der mich am und im Leben gehalten und verhindert hat, dass ich ungebremst in die Tiefen von Angst, Krankheit und Therapiemüdigkeit gerauscht bin. Weiterlesen