Gemeinsam… etwas weniger einsam

Es ist ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder Mann und jede Frau kennt, die den Krebs überlebt haben: das Gefühl von Einsamkeit. Ein Gefühl, das entsteht, wenn die lieben Menschen im eigenen Umfeld einfach weitermachen mit dem „normalen“ Leben. Weil sie es können. Weil der Krebs nicht ihr Leben bedroht hat, sondern nur das eigene.

Die Erkenntnis, dass der Brustkrebs mich ein Stück weit von meinen engsten Vertrauten getrennt hatte, kam eigentlich erst, als die aktive Erkrankung, die Therapien und Arzttermine vorbei waren. Als meine Gedanken begannen, um Leben und Tod zu kreisen, hatte ich das Gefühl, dass alle die „Gesunden“ um mich herum einfach nicht mehr mitreden konnten. Vielleicht war aber auch ich diejenige, die es ihnen nicht mehr zugestehen wollte. Zu gross war die Wut und die Trauer darüber, dass der Krebs einen grossen Scherbenhaufen aus meinem Leben gemacht und alles infrage gestellt hatte.

Doch ich hatte auch sehr grosses Glück in dieser Zeit, denn ich habe sie gefunden: meine Vertrauten im Geiste, meine Ladies, die das gleiche Schicksal hinter sich hatten und mir das Gefühl gaben, dass ich mit ihnen gemeinsam etwas weniger einsam mit meinem Brustkrebs-Schicksal war.

Wir hatten uns bei einem Achtsamkeitskurs kennengelernt, der von unserer Breast-Care-Nurse angeboten wurde und schnell wurde klar, dass wir uns durch diesen gemeinsamen Weg der Verarbeitung zwar nicht aktiv gesucht, aber trotzdem gefunden hatten. Wir trafen uns regelmässig zum Abendessen und niemand von uns rümpfte die Nase, wenn die eine oder andere vielleicht etwas verbissen auf eine extrem gesunde Ernährung mit viel „Super Food“ und wenig Zucker achtete. Schliesslich war uns allen bewusst, dass Zucker wie ein Katalysator auf Krebszellen wirkt.

Wir waren wie die fünf Musketier-Ladies mit verschiedenen Jahrgängen, Lebensgeschichten und unterschiedlichen Familien- und Berufssituationen. Doch was uns verband, war die Erfahrung mit dem Krebs und all die ähnlichen Bedürfnisse, die dieses Schicksal mit sich brachte. Aus dieser Erfahrung wurde Verbundenheit. Aus der Verbundenheit wurde Freundschaft und über all die vergangenen Jahre habe ich es sehr genossen zu erleben, wie der Krebs immer weiter in den Hintergrund rückte unseren unterschiedlichen Alltagen wieder Platz machte. Ein neuer Job, ein neues Studium, eine neue Liebe, eine alte Liebe, ein Kind nach dem Krebs oder die gleichen Sorgen mit den Kindern, wie vor der Erkrankung: in all unseren Lebensgeschichten haben wir uns dabei so gut es ging unterstützt, den Krebs mit seiner Grenzerfahrung zu integrieren.

Die Erde hat sich für uns alle weitergedreht. Was für ein Glück. Das Leben hat uns wieder und mit ihm auch die Tatsache, dass sich Wege in unserer globaliserten Welt durch Ortswechsel trennen. Ein Wiedersehen mit der Heimat Deutschland bedeutet für mich auch gleichzeitig ein Abschied von meinen Achtsamkeits-Ladies und von unseren regelmässigen Treffen, die mir mein Gefühl der „Krebs-Einsamkeit“ genommen haben.

Ladies, ich werde jede einzelne von euch und unsere gemeinsamen Treffen in meinem Alltag sehr vermissen. Doch in Zeiten von Whatapp und unzähligen Reisemöglichkeiten glaube ich daran, dass wir uns bald einmal wiedersehen. Und deshalb ist das für mich kein Abschied, sondern lediglich ein „Uf Wiederluege“. Hebed Sorg!

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