Eine gute Zeit!

Es ist wieder so eine Zeit, in der es sehr still geworden ist auf meinem Blog. Eine Zeit, in der ich manchmal verzweifelt nach Themen suche, über die ich an dieser Stelle schreiben kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich eigentlich immer nur zu Themen schreiben, die mit meiner Erkrankung zu tun haben. Und diese werden glücklicherweise von Jahr zu Jahr immer weniger.

Auch das gehört zum Alltag eines Breast-Cancer-Survivor. Dass die Tage nach dem Krebs eben auch wieder zum normalen Alltag werden. Dass das Leben wieder bunt wird und die Farben der Krebserkrankung nach und nach verblassen. Es ist ein gutes Leben, das sich nach all den Irrungen und Wirrungen momentan seine Bahnen durch meinen neuen Job und ein aufregendes Familienleben schlängelt. Auch darüber möchte ich an dieser Stelle einmal schreiben. Auch das muss einmal gesagt werden. Es ist eine gute Zeit! Weiterlesen

MutterTage

Dieses Jahr konnte ich bereits meinen dritten Muttertag feiern. Kinder, wie die Zeit vergeht. Mein Sohn war an diesem Tag mal wieder um viertel nach sechs wach geworden und war voller Tatendrang , seine Holzeisenbahn mit uns aufzubauen. Mein Mann hatte sich erweichen lassen. Hatte unsere Schlafzimmertür geschlossen und mir noch einige Minuten Schlaf geschenkt. Es war ja schließlich Muttertag. Knapp zwei Stunden später wurde ich von beiden Männern geweckt. Mit einem selbst geschriebenen und auswendig gelernten Gedicht. Mein Sohn war stolz wie Bolle, als er mit voller Inbrunst „Mama ist für uns die Allerbeste“ herausposaunte.

Zwei Tage später konnte er das Gedicht immer noch auswendig :-)

Es sind diese Tage, an denen mein Herz überquillt vor Freude und Dankbarkeit für meine wohl wichtigste Rolle im Leben. Es sind Tage wie diese, an denen ich kaum glauben kann, wieviel Glück ich seit meiner Brustkrebs-Diagnose hatte. Es sind diese Tage, an denen mir immer wieder der Moment bewusst wird, als mein Verstand eine Familienplanung für mich abgehakt hatte. Es sind diese Gefühle, die mich sprachlos machen und mir wieder erlauben, an Wunder im Leben zu glauben.

Einige Tage zuvor hingegen hatten unsere kleine Familie eine ganz andere Diskussion am Frühstückstisch. Weiterlesen

Abgestempelt

„Also, ich glaube, den Brustkrebs können Sie nun ruhig zu den Akten legen“, sagte mir mein Onkologe vor ein paar Monaten bei meiner letzten Kontrolle in der Schweiz.

„Nach mehr als 5 Jahren krebsfrei sind die Mammografien für Sie ja wieder Vorsorgeuntersuchungen und keine Nachkontrollen mehr“, sagte der neue Radiologe, als ich vor einigen Wochen bei meiner ersten Brustuntersuchung in Deutschland antrat.

Da bewege ich mich nun. Mehr als sieben Jahre nach meiner Brustkrebs-Diagnose.  Hoffnung, Mut, Selbstsicherheit machen sich in mir breit, dass er Brustkrebs wirklich da bleibt, wo er hingehört: in meine Vergangenheit.

Und so habe ich es gewagt. Habe es gewagt, einen Antrag bei einer privaten Krankenkasse zu stellen für eine Zusatzversicherung Klinik Spezial. Nicht, weil ich davon ausgehe, bald wieder in einer Klinik zu landen, sondern weil ich denke, dass auch ich eine Wahl haben sollte, wie ich mich im Krankenhaus behandeln lassen möchte.

Doch ich wurde abgelehnt. Einmal Krebs – zwar seit sieben Jahren gesund – trotzdem immer Krebspatientin! ABGESTEMPFELT! Meine Vergangenheit bleibt meine Gegenwart. Und das macht mich richtig wütend! Weiterlesen

Diagnose Day

Fast hätte ich ihn nicht bemerkt. Meinen Tag der Brustkrebs-Diagnose. So alltäglich ist mein Alltag wieder geworden. Erst als ich meinen Sohn vor seine Grössenmesslatte stellte und neben den „Laufenden Meter“ das heutige Datum schrieb, fiel es mir auf. Ein bisschen Trauer, dass ich ihn nicht früher wahrgenommen hatte. Ein bisschen sehr viel mehr Freude darüber, dass ich bereits zum 7. Mal meinen persönlichen zweiten Geburtstag feiern kann.

Und ich habe ihn zelebriert. Im Stillen. Für mich. Die Freude über die Umarmungen von meinem Sohn war heute noch grösser. Die Zufriedenheit in mir… unbeschreiblich. Die Dankbarkeit für mein Leben… kaum in Worte zu fassen. Und so habe ich doch noch angestossen. Mit meinem Mann, der trotz 1’000 km räumlicher Distanz und Wein per Videotelefonie so tief in meinem Herzen ist. Mit meiner Mutter, die auf einmal in der Wohnung unter mir wieder ganz nah in meinem Alltag ist. Und mit mir selbst. Im Inneren. In Dankbarkeit darüber, dass der Schmerz, die Hilflosigkeit und die Ohnmacht dieses Tages nur noch Mahnmal und Erinnerungen sind.

Ich geniesse den Wein und leere das Glas, denn heute ist ein guter Tag. Einfach, weil ich leben darf. Santé!

Gemeinsam… etwas weniger einsam

Es ist ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder Mann und jede Frau kennt, die den Krebs überlebt haben: das Gefühl von Einsamkeit. Ein Gefühl, das entsteht, wenn die lieben Menschen im eigenen Umfeld einfach weitermachen mit dem „normalen“ Leben. Weil sie es können. Weil der Krebs nicht ihr Leben bedroht hat, sondern nur das eigene.

Die Erkenntnis, dass der Brustkrebs mich ein Stück weit von meinen engsten Vertrauten getrennt hatte, kam eigentlich erst, als die aktive Erkrankung, die Therapien und Arzttermine vorbei waren. Als meine Gedanken begannen, um Leben und Tod zu kreisen, hatte ich das Gefühl, dass alle die „Gesunden“ um mich herum einfach nicht mehr mitreden konnten. Vielleicht war aber auch ich diejenige, die es ihnen nicht mehr zugestehen wollte. Zu gross war die Wut und die Trauer darüber, dass der Krebs einen grossen Scherbenhaufen aus meinem Leben gemacht und alles infrage gestellt hatte.

Doch ich hatte auch sehr grosses Glück in dieser Zeit, denn ich habe sie gefunden: meine Vertrauten im Geiste, meine Ladies, die das gleiche Schicksal hinter sich hatten und mir das Gefühl gaben, dass ich mit ihnen gemeinsam etwas weniger einsam mit meinem Brustkrebs-Schicksal war. Weiterlesen

Eine haarige Angelegenheit

„Was mache ich nun mit meiner Perücke? Wegschmeissen, oder mit nach Deutschland nehmen?“

„Wegschmeissen! Was willst du denn noch damit?“, schoss es mir ziemlich direkt von meiner lieben M. bei unserem letzten Treffen entgegen. „Der Krebs ist doch Geschichte. Du brauchst sie nicht mehr. Also weg damit.“

„Also, ich habe sie für den nächsten Fasching meiner Kinder aufgehoben“, entgegnete meine andere Freundin K.

„Puh, das ist eine schwierige Frage. Ich wüsste nicht, wie ich mich entscheiden würde“, hatten meine Arbeitskolleginnen entgegnet.

Und nun stehe ich hier im Keller vor den Umzugskartons und versuche, sie herauszufiltern: die Dinge und Habseligkeiten, die wir denken im Leben noch brauchen zu müssen. Die Perücke – ordentlich verpackt in ihrer Pappschachtel – in der linken Hand; die Bürste und das dazugehörige Spezialshampoo in der Rechten… Weiterlesen

Die Zeichen stehen auf Abschied

Eigentlich hatte er bereits im Sommer begonnen: der leise Abschied von meinem Leben – so wie ich es kannte seit meiner Brustkrebsdiagnose. Ich war mit meiner Familie im Urlaub und auf dem Weg zu unserem Hochzeitsleuchtturm in Westerhever. Dorthin, wo es begann: das Leben nach dem Brustkrebs. Eigentlich sollte es nur ein netter Urlaubsausflug zum Leuchtturm werden. In einigen Tagen hätten mein Mann und ich unseren fünften Hochzeitstag. Mit Sohn und Oma machten wir uns also auf den Weg über den Deich. Fest entschlossen, nach zweieinhalb Kilometern lockeren Fussmarsches durch das Deichvorland wieder unserem alten Vertrauten, dem Leuchtturm Westerhever, Hallo zu sagen.

Red & Welly, meine roten Gummistiefel, hatte ich ganz bewusst zu Hause gelassen. Regen war nicht angesagt und die Sonne blitzte so manches Mal durch die löchrige Wolkendecke. Für den Fussmarsch hatte ich meine ebenso roten, aber sehr viel luftigeren Sneakers angezogen. So konnte ich leichten Schrittes durch die Deichwiesen schlendern, dachte ich.

Doch der Marsch zum Leuchtfeuer wurde nicht so unbeschwert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Weiterlesen

Ich schenke euch: ZEIT

Wenn mir eines seit meiner Brustkrebserkrankung klar geworden ist, dann ist es wohl die Kostbarkeit von Zeit. Zeit, die man mit der Familie, Freunden und anderen lieben Menschen verbringen kann; Zeit, die auf einmal unendlich scheint, wenn man früh morgens im Regen auf den Bus wartet, der einen zur Arbeit bringen soll. Zeit, die von Jahr zu Jahr immer schneller zu vergehen scheint; Zeit, die so wertvoll ist, wenn man die Möglichkeit besitzt, sie einfach mal zu verschwenden. Wie relativ werden alle Kostbarkeiten und Besitztümer, wenn man erfahren muss, dass die eigene Zeit auf dieser Erde vielleicht bald dem Ende zugeht.

Umso dankbarer bin euch, meine lieben Leser, wenn ihr zwischen all euren alltäglichen Verpflichtungen auch noch die Zeit findet, bei meinem Blog vorbeizuschauen. Weiterlesen

Die Zeit des Wartens

Irgendwie fällt es mir dieses Mal sehr schwer, die richtigen Worte für den Blogbeitrag zu finden. Seit Monaten warte ich darauf, dass ich euch wieder einmal etwas zum Thema Brustkrebs zu erzählen habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich der Krankheit nicht mehr viel Platz in meinem Alltag gelassen habe. Nach meiner letzten Kontrolle und anschliessenden MR-gesteuerten Biopsie war ich auch wirklich bedient. Nachdem sich die „kleine Unsicherheit im Narbengewebe“ als harmlose Fibrose herausgestellt hatte, konnte mich der Krebs auch wirklich mal gerne haben. Die Narben von dieser Prozedur mussten erst einmal verheilen. Physisch und psychisch. Aber bekanntlich ist „nach der Kontrolle“ ja auch „vor der Kontrolle“. Und so stand vor kurzem wieder die MRI Nachkontrolle der vorherigen Biopsie an. Weiterlesen