Die Zeichen stehen auf Abschied

Eigentlich hatte er bereits im Sommer begonnen: der leise Abschied von meinem Leben – so wie ich es kannte seit meiner Brustkrebsdiagnose. Ich war mit meiner Familie im Urlaub und auf dem Weg zu unserem Hochzeitsleuchtturm in Westerhever. Dorthin, wo es begann: das Leben nach dem Brustkrebs. Eigentlich sollte es nur ein netter Urlaubsausflug zum Leuchtturm werden. In einigen Tagen hätten mein Mann und ich unseren fünften Hochzeitstag. Mit Sohn und Oma machten wir uns also auf den Weg über den Deich. Fest entschlossen, nach zweieinhalb Kilometern lockeren Fussmarsches durch das Deichvorland wieder unserem alten Vertrauten, dem Leuchtturm Westerhever, Hallo zu sagen.

Red & Welly, meine roten Gummistiefel, hatte ich ganz bewusst zu Hause gelassen. Regen war nicht angesagt und die Sonne blitzte so manches Mal durch die löchrige Wolkendecke. Für den Fussmarsch hatte ich meine ebenso roten, aber sehr viel luftigeren Sneakers angezogen. So konnte ich leichten Schrittes durch die Deichwiesen schlendern, dachte ich.

Doch der Marsch zum Leuchtfeuer wurde nicht so unbeschwert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Weiterlesen

Alles anders als gedacht

Es ist Montagmorgen im Wartezimmer des Brust-Zentrums. Irgendwo in Zürich. Ich sitze hier und warte. Versunken in meinen Gedanken. Wie oft habe ich hier schon gesessen und gewartet. Auf eine Diagnose, eine gute Prognose, eine neue Therapie, eine weitere Mammografie, auf die Bestätigung meiner Hoffnung und auf das Überwinden meiner Angst. Soviel ist passiert in meinen Gedanken innerhalb dieser kleinen vier Wände. Die „K-Zeit“ von damals wird jedes Mal wieder ein Stück lebendig. Jedes Mal, wenn ich in diesem kleinen Wartezimmer sitze. Ich ertappe mich dabei, wie ich die anderen Patientinnen beobachte, die neben und mir gegenüber sitzen. Heute, wie damals, frage ich mich, welche Brustkrebsgeschichte sie hierher treibt. Befinden sie sich noch im „Leben davor“ oder bereits „danach“? Hat die Krankheitserfahrung sie stark in ihrem Leben verändert? Reden sie darüber, oder machen sie so weiter, wie zuvor? Warten sie heute – so wie ich – auf die Nachsorge, oder stehen sie noch vor ihren Sorgen?

„Da daaa!“ reisst es mich plötzlich aus meinen Gedanken und ich blicke in die Augen meine Sohnes, der vor mir in seinem Kinderwagen liegt und im gleichen Moment seine kurzen Ärmchen samt Nuscheli-Tuch wieder hoffnungsvoll vor sein Gesicht hält. Weiterlesen

STILL.PAUSE

Es stimmt, was alle neu gebackenen Eltern sagen: dass man kaum mehr zu etwas kommt, wenn Kinder im Haus sind. Ich habe es nie so ganz glauben wollen, aber seit einigen Wochen muss ich mir eingestehen, dass die Uhren des neuen Lebens in meinem Leben eine neue Zeitrechnung eingeläutet haben.

War ich doch bis vor Kurzem (und besonders seit meiner Krebserkrankung) darauf bedacht, in erster Linie meine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, so geht es nun zu allererst darum, die Grundbedürfnisse des neuen kleinen Menschen in unserer Mitte zu erfüllen. Essen, in die Windeln machen, beobachten, lernen und in den Schlaf finden. Es scheint so einfach – das Leben – und doch stellt es unseres grad total auf den Kopf. Weil wir uns erst einmal auf einen gemeinsamen Rhythmus einpendeln müssen. Das neue Leben und ich. Weiterlesen

Leben ist, wenn neues Leben beginnt

Nach meiner abgeschlossenen Brustkrebs-Behandlung war ich auf der Suche. Und ich bin es wahrscheinlich immer noch. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Warum bin ich überhaupt (noch) da? Was will ich sein auf dieser Welt? Welchen Beitrag möchte ich leisten? Macht mein Alltag für mich eigentlich noch Sinn?

Viele Dinge, Verhaltensweisen und Angewohnheiten habe ich über Bord geworfen. Viele Veränderungen haben in mir stattgefunden. Einige Dinge sind geblieben.

Ich kann nicht behaupten, dass ich bereits alle Antworten auf meine Fragen gefunden habe. Das wird wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang andauern. Aber einen Sinn des Lebens durfte ich vor kurzem am eigenen Leib erfahren: Ich bin Mutter. Geworden. Einfach so über Nacht. Noch nicht ganz angekommen in meiner neuen Rolle. Aber so unendlich dankbar dafür.

Es ist da: das neue Leben in meinem Leben. Vieles ist noch ungewohnt. Neu. Noch nicht ganz eingespielt. Aber schon jetzt gibt mir diese neue Aufgabe auf erstaunlich einfache Weise so viele Antworten auf meine Frage, was das Leben auf dieser Welt ausmacht. Weiterlesen

Achtung…weiblich!

Zu Beginn dieses Beitrags muss ich wohl eine Vorwarnung an alle männlichen Leser meines Blogs aussprechen. Heute geht es um ein sehr feminines Thema: die weibliche Brust; genauer gesagt um meine Brust. Ich freue mich, wenn es euch interessiert. Falls nicht – wir sehen uns hoffentlich beim nächsten Mal wieder :-)

Ich habe mich gefragt, inwieweit ich überhaupt die Berechtigung habe, meinen Blog als „Brustkrebsblog“ zu bezeichnen, denn mit ein wenig Erschrecken habe ich festgestellt, dass ich mich eigentlich noch in keinem Beitrag wirklich dem Brustkrebs, geschweige denn meinen beiden zentralen weiblichen Geschlechtsmerkmalen gewidmet habe. Sicherlich waren sie immer mal wieder Randthema – Aufhänger für die Themen, um die sich meine Gedanken nach der Brustkrebsdiagnose gedreht haben. Da waren hauptsächlich die Themen Leben und Tod. Der Sinn des Lebens. Das Überleben. Das Leben mit der Diagnose. Die Angst. Das Wiederfinden eines neuen Lebens. Ein neuer Alltag.

Was die Krankheit mit meinen Brüsten gemacht hat – nicht nur körperlich, sondern auch emotional – habe ich bisher in diesem Blog noch nie wirklich verarbeitet. Und in gewisser Weise spiegelt das auch sehr mein tägliches Leben mit dieser Krankheit wieder. Weiterlesen

Zeit für Veränderung

Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren seit der Krebsdiagnose. Oder vielleicht sollte ich sagen: es hat sich viel in mir verändert. Und auch wenn ich immer etwas Angst vor Veränderungen habe, so empfinde ich doch den Wandel, den mein Leben durchgemacht hat, zum grossen Teil als sehr bereichernd.

Die Verarbeitung einer Krebserfahrung ist doch noch einmal eine ganz andere Zeit als der Kampf gegen diesen ungeliebten Gegner selbst. Die äusserliche Schlacht wird mehr und mehr zu einer Auseinandersetzung im Inneren. Und die Menschen, die dich vielleicht so vorbehaltlos auf dem offenen Schlachtfeld unterstützt haben, folgen dir nicht automatisch, wenn hinter teils verschlossenen Türen über Sieg und Niederlage verhandelt wird. Weiterlesen

Wie geht es dir?

Wie geht es dir? In letzter Zeit habe ich mir immer wieder Gedanken darüber gemacht, wie oft ich wohl diese Frage in den vergangenen zwei Jahren seit meiner Erkrankung gehört habe. Und wie oft sie wirklich eine ernst gemeinte Interessensbekundung, oder doch nur eine beiläufige Floskel war. Fakt ist: Die Bedeutung dieser einfachen vier Worte hat sich im Verlauf der Zeit vor, während und nach der Krebserkrankung stark für mich geändert. Weiterlesen