Zwischen Hoffen und Bangen

Vor einigen Wochen hatte ich mal überlegt, diesen Blog für eine Zeit ruhen zu lassen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich meine Themen immer weniger um den Krebs drehen. Das Leben und der Alltag hatten mich wieder. Der Krebs war für mich mit meiner 5-Jahres Überlebensrate (fast) Vergangenheit.

Bis letzten Montag. Dem Tag, an dem ich eine neue Hautläsion auf meinem Dekolleté infrage gestellt hatte. Ich hatte sie schon vor einiger Zeit bemerkt – die Pickel auf dieser Hautstelle und hatte mir erst einmal nichts dabei gedacht. Wer hat schon eine reine Haut?! Besonders im Winter?! Doch irgendwie waren mir die roten Pusteln an diesem Montag nicht mehr ganz geheuer und so beschloss ich, meiner Ärztin ein Foto mit der Bitte um eine kurze Einschätzung zu schicken. Vollkommen im Bewusstsein, dass sie es als einfache Hautunreinheit abtuen würde.

Auf ihre Antwort war ich nicht vorbereitet. Seitdem ist das Krebsthema wieder erschreckend real in meinem Alltag. Seitdem verbringe ich die Tage bis zur Gewissheit zwischen Hoffen und Bangen: Weiterlesen

Kontrolle ist gut, relaxen ist besser

Es ist ja so eine Sache mit der Kontrolle. Ich bin 30 Jahre mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass ich mein Leben unter Kontrolle habe. Haben muss. Mit dem Brustkrebs war dann alles anders und spätestens da wurde mir schonungslos klar: Kontrolle im Leben ist eine Illusion. Eine Zeit lang liess es sich gut damit leben. In der Therapie. Als ich keine weiteren Verpflichtungen hatte, ausser wieder gesund zu werden. Doch irgendwann traf auch mich der Krebs-Bewusstseinsschlag und bald schwebte ich mehr und mehr im luftleeren Raum. Beim Thema Krebs funktioniert das irgendwie nicht mit Kontrollverlust. Die Angst vor einem Rückfall wird dann zu übermächtig. Im Kampf gegen meine eigene Krebsangst brauche ich einfach Kontrollhebel, die ich betätigen kann, um mir selbst das Gefühl zu geben, dass ich etwas tun kann gegen diese bösartigen Zellen in mir.

Also wurde ich aktiv und versuchte alles umzusetzen, was in der allgemeinen Meinung gegen eine Tumorbildung empfohlen wird. Sport für die allgemeine Fitness, Yoga und Meditation für meinen seelischen Ausgleich und gesundes Essen mit vielen Antioxidantien, um den angekratzten Zellen in mir schon gleich den Gar aus zu machen. Es hatte sich gut eingespielt – mein „Kontrollsystem“ gegen die Angst. Bis zu meiner letzten Nachkontrolle bei meinem neuen Onkologen. Weiterlesen

Dr. No jagt Dr. Hoffnung

Was bleibt uns, wenn in unserem persönlichen Kampf gegen den Krebs wieder einmal ein Stück Hoffnung stirbt?

Die deutsche Moderatorin Miriam Pielhau ist tot. Die Mutter einer 4-jährigen Tochter. Gestorben an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung. Mit 41 Jahren. Plötzlich. Unerwartet. Ungerecht. Einfach unnötig. Sie galt eigentlich nach zweifach überstandener Erkrankung noch vor kurzem als krebsfrei. Sie war stets optimistisch in ihrem Kampf. Hoffnungsvoll. Lebensbejahend. Doch plötzlich hat der Krebs ihrem Leben ein unerwartet schnelles Ende gesetzt. Sie wurde definitiv zu früh von dieser Welt geholt.

Es ist eine Nachricht, die mich mehr als betroffen und sehr traurig macht. Denn Miriam Pielhau war für mich in meinem eigenen Kampf gegen den Brustkrebs ein hoffnungsvolles Vorbild, an das ich mich geklammert habe. Weiterlesen

Phantom-Metastasen

Sie sind wieder da. Ich spüre sie im ganzen Körper. Sie sind kaum auszuhalten und machen mich wahnsinnig. Die Stiche in meiner Brust. Das Ziehen. Die Verhärtungen. Ich schaffe es kaum, meine Gedanken nicht in die Dunkelheit abdriften zu lassen. Ein Blick in meinen Kalender zeigt mir: sie steht wieder an – die nächste Jahreskontrolle mit Mammografie. Weiterlesen

Angst vor dem Leben

„Hast du Angst vor dem Tod?“

„Nein. Ich hab Angst vor dem Leben!“

Das ist die bittere Erkenntnis, die mich überkommt. Hier. In der Jugendherberge. Mitten in der Nacht, die schlaflos ist, weil mein Sohn neben mir im Bett seinen eigenen Stepptanz-Auftritt im Schlaf probt. Am Nachmittag hatte ich fast fluchtartig unsere Wohnung verlassen. Nein, eigentlich wurde ich von meinem Mann fast dazu gedrängt, mich auf den Weg zu machen. Mit Kind und Auto zu meiner Mutter, die 800 km von uns entfernt wohnt. Die mich angefleht hatte, lieber den Zug zu nehmen. Was da nicht alles passieren könne, auf 800 km Autobahn und bei angesagtem Sauwetter. Und dann noch mit dem kleinen Mann im Gepäck.

Ich habe es doch – oder vielleicht gerade deswegen – gemacht und fühle mich befreit. Mit jedem Kilometer, den ich von meinem Alltag weg bin, ein bisschen mehr. Geh ich ein zu hohes Risiko ein? Schliesslich ist für morgen noch Eisregen angesagt. Bin ich vielleicht sogar verantwortungslos als Mutter?

Und nun: Zwischenstopp Jugendherberge, die mein Mann am Mittag kurzerhand für mich und unseren Sohn gebucht hatte. Ein Familienzimmer mit eigenem Bad. Fast niemand ist hier so kurz nach der Jahreswende. Fünfzehn Personen in einer Herberge mit 250 Betten. In der Dunkelheit der Januarnacht frage ich mich, woher es wohl kommt. Dieses lähmende Gefühl der Angst, das ich seit einiger Zeit verspüre. Weiterlesen

Trauma oder Alptraum

Es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Ich musste wohl damit rechnen, dass er mich irgendwann in der Schwangerschaft besuchen würde. Dieser Traum, der mir – glücklicherweise aus ihm erwacht – fast den Atem geraubt hätte. Dieser Traum, der der grösstmögliche gelebte Alptraum wäre, wenn er sich, aus der Dunkelheit der Nacht heraus in mein reales Leben schleichen würde.

Da sind sie, die schwarz-weissen Röntgenbilder meiner Brüste. Ich sehe sie genau in den Händen des Arztes. Es sind die Bilder von der letzten und von der aktuellen Untersuchung meiner beiden kostbaren Weichteile. Sie ist klar zu erkennen, die erneute Veränderung, die nichts Gutes zu bedeuten hat. Da ist er, der Telefonhörer in meiner Hand. Die Stimme eines Arztes, die mir sagt, dass der Tumor wieder wächst und eine erneute Therapie unumgänglich ist. Weiterlesen

Von Angesicht zu Angesicht

Er war mal wieder fällig: Der jährliche Kontrolltermin zur Mammografie. Schon eine Woche vorher war meine Laune im Keller. Meine Nerven zum Zerreissen gespannt. Eigentlich hatte ich gar nichts Beunruhigendes erwartet. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich an diesem Tag einfach nur eine weitere Bestätigung für meine Gesundheit erhalten würde. Und doch wollte diese Nervosität nicht weichen. Der permanent erhöhte Herzschlag. Die niedrige Schwelle zur totalen Reizbarkeit. Weiterlesen

Einfach mal leben

Sie ist wieder da, die Angst. Davor, dass der Krebs zurückkehrt. Davor, dass mich eine andere schlimme Krankheit ereilt. Davor, dass mich etwas Unvorhergesehenes wieder ungefragt aus meinem Leben reisst. Meinen mühevoll zurückeroberten, selbstbestimmten Alltag wieder in tausend Stücke zerschmettert. Weiterlesen

Lauf Forest, lauf!

Mit dem Ende meiner Therapie hatte ich wieder begonnen, meinen Körper sportlich beim Joggen herauszufordern. Als Kind und Jugendliche habe ich immer viel Sport gemacht, allerdings kann ich nicht behaupten, dass kontinuierliches Laufen zu meinen liebsten Sportarten gezählt hätte. Beim 100-Meter Sprint gehörte ich nie zu den Schnellsten und beim Dauerlauf um den Sportplatz bin ich nach kürzester Zeit an meine Ausdauergrenze gestossen. Weiterlesen