Die Zeichen stehen auf Abschied

Eigentlich hatte er bereits im Sommer begonnen: der leise Abschied von meinem Leben – so wie ich es kannte seit meiner Brustkrebsdiagnose. Ich war mit meiner Familie im Urlaub und auf dem Weg zu unserem Hochzeitsleuchtturm in Westerhever. Dorthin, wo es begann: das Leben nach dem Brustkrebs. Eigentlich sollte es nur ein netter Urlaubsausflug zum Leuchtturm werden. In einigen Tagen hätten mein Mann und ich unseren fünften Hochzeitstag. Mit Sohn und Oma machten wir uns also auf den Weg über den Deich. Fest entschlossen, nach zweieinhalb Kilometern lockeren Fussmarsches durch das Deichvorland wieder unserem alten Vertrauten, dem Leuchtturm Westerhever, Hallo zu sagen.

Red & Welly, meine roten Gummistiefel, hatte ich ganz bewusst zu Hause gelassen. Regen war nicht angesagt und die Sonne blitzte so manches Mal durch die löchrige Wolkendecke. Für den Fussmarsch hatte ich meine ebenso roten, aber sehr viel luftigeren Sneakers angezogen. So konnte ich leichten Schrittes durch die Deichwiesen schlendern, dachte ich.

Doch der Marsch zum Leuchtfeuer wurde nicht so unbeschwert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Weiterlesen

Die Zeit des Wartens

Irgendwie fällt es mir dieses Mal sehr schwer, die richtigen Worte für den Blogbeitrag zu finden. Seit Monaten warte ich darauf, dass ich euch wieder einmal etwas zum Thema Brustkrebs zu erzählen habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich der Krankheit nicht mehr viel Platz in meinem Alltag gelassen habe. Nach meiner letzten Kontrolle und anschliessenden MR-gesteuerten Biopsie war ich auch wirklich bedient. Nachdem sich die „kleine Unsicherheit im Narbengewebe“ als harmlose Fibrose herausgestellt hatte, konnte mich der Krebs auch wirklich mal gerne haben. Die Narben von dieser Prozedur mussten erst einmal verheilen. Physisch und psychisch. Aber bekanntlich ist „nach der Kontrolle“ ja auch „vor der Kontrolle“. Und so stand vor kurzem wieder die MRI Nachkontrolle der vorherigen Biopsie an. Weiterlesen

ICH BIN DA UND LEBE

„Glaubst du nicht auch, dass der Brustkrebs bei dir nur ein Ausrutscher gewesen ist?“, hatte mich mein Mann vor einigen Tagen gefragt.

„Keine Ahnung. Ich wünsche es mir“, hatte ich geantwortet.

Wunsch oder Wirklichkeit. Heute ist es egal. Denn ich habe etwas zu feiern. HEUTE. An diesem unerwartet sonnigen 22. Novembertag. ICH BIN DA UND LEBE! Auf den Tag genau 5 Jahre nach meiner Brustkrebs-Diagnose. Five-Years-Progression-Free-Survival wird es im onkologischen Fachjargon genannt. Das ist der Grund, warum ich heute mit meinem Sohn 5 blaue Luftballons aufgeblasen habe. Das ist der Grund, warum ich heute leise mit meinem Mann mit Champagner anstossen werde. ICH BIN DA UND LEBE. Punkt.

Vor einigen Jahren hätte ich damit als vom Brustkrebs geheilt gegolten. Mittlerweile haben die Mediziner diese Prognose bei Brustkrebs auf 10 Jahre krebsfreies Leben erweitert. Egal. ICH BIN DA UND LEBE. Weiterlesen

Kontrolle ist gut, relaxen ist besser

Es ist ja so eine Sache mit der Kontrolle. Ich bin 30 Jahre mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass ich mein Leben unter Kontrolle habe. Haben muss. Mit dem Brustkrebs war dann alles anders und spätestens da wurde mir schonungslos klar: Kontrolle im Leben ist eine Illusion. Eine Zeit lang liess es sich gut damit leben. In der Therapie. Als ich keine weiteren Verpflichtungen hatte, ausser wieder gesund zu werden. Doch irgendwann traf auch mich der Krebs-Bewusstseinsschlag und bald schwebte ich mehr und mehr im luftleeren Raum. Beim Thema Krebs funktioniert das irgendwie nicht mit Kontrollverlust. Die Angst vor einem Rückfall wird dann zu übermächtig. Im Kampf gegen meine eigene Krebsangst brauche ich einfach Kontrollhebel, die ich betätigen kann, um mir selbst das Gefühl zu geben, dass ich etwas tun kann gegen diese bösartigen Zellen in mir.

Also wurde ich aktiv und versuchte alles umzusetzen, was in der allgemeinen Meinung gegen eine Tumorbildung empfohlen wird. Sport für die allgemeine Fitness, Yoga und Meditation für meinen seelischen Ausgleich und gesundes Essen mit vielen Antioxidantien, um den angekratzten Zellen in mir schon gleich den Gar aus zu machen. Es hatte sich gut eingespielt – mein „Kontrollsystem“ gegen die Angst. Bis zu meiner letzten Nachkontrolle bei meinem neuen Onkologen. Weiterlesen

Dr. No jagt Dr. Hoffnung

Was bleibt uns, wenn in unserem persönlichen Kampf gegen den Krebs wieder einmal ein Stück Hoffnung stirbt?

Die deutsche Moderatorin Miriam Pielhau ist tot. Die Mutter einer 4-jährigen Tochter. Gestorben an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung. Mit 41 Jahren. Plötzlich. Unerwartet. Ungerecht. Einfach unnötig. Sie galt eigentlich nach zweifach überstandener Erkrankung noch vor kurzem als krebsfrei. Sie war stets optimistisch in ihrem Kampf. Hoffnungsvoll. Lebensbejahend. Doch plötzlich hat der Krebs ihrem Leben ein unerwartet schnelles Ende gesetzt. Sie wurde definitiv zu früh von dieser Welt geholt.

Es ist eine Nachricht, die mich mehr als betroffen und sehr traurig macht. Denn Miriam Pielhau war für mich in meinem eigenen Kampf gegen den Brustkrebs ein hoffnungsvolles Vorbild, an das ich mich geklammert habe. Weiterlesen

Trauma oder Alptraum

Es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Ich musste wohl damit rechnen, dass er mich irgendwann in der Schwangerschaft besuchen würde. Dieser Traum, der mir – glücklicherweise aus ihm erwacht – fast den Atem geraubt hätte. Dieser Traum, der der grösstmögliche gelebte Alptraum wäre, wenn er sich, aus der Dunkelheit der Nacht heraus in mein reales Leben schleichen würde.

Da sind sie, die schwarz-weissen Röntgenbilder meiner Brüste. Ich sehe sie genau in den Händen des Arztes. Es sind die Bilder von der letzten und von der aktuellen Untersuchung meiner beiden kostbaren Weichteile. Sie ist klar zu erkennen, die erneute Veränderung, die nichts Gutes zu bedeuten hat. Da ist er, der Telefonhörer in meiner Hand. Die Stimme eines Arztes, die mir sagt, dass der Tumor wieder wächst und eine erneute Therapie unumgänglich ist. Weiterlesen

Von Angesicht zu Angesicht

Er war mal wieder fällig: Der jährliche Kontrolltermin zur Mammografie. Schon eine Woche vorher war meine Laune im Keller. Meine Nerven zum Zerreissen gespannt. Eigentlich hatte ich gar nichts Beunruhigendes erwartet. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich an diesem Tag einfach nur eine weitere Bestätigung für meine Gesundheit erhalten würde. Und doch wollte diese Nervosität nicht weichen. Der permanent erhöhte Herzschlag. Die niedrige Schwelle zur totalen Reizbarkeit. Weiterlesen

Happy Birthday to…

Zwei Jahre ist es nun her, dass ich meine Therapie mit der letzten Bestrahlung beendet habe. Fast auf den Tag genau. Als gesund entlassen. Die Hochrisiko-Rückfallzeit – wie meine Ärztin es nannte – habe ich nun auch ohne Rezidiv überstanden. HAPPY BIRTHDAY, meine liebe Gesundheit. So gross bist du schon geworden. Es war schon ein ganzes Stück Arbeit, dich einigermassen behütet ins Kleinkindalter zu bringen, aber ich muss sagen, es hat sich definitiv gelohnt. Weiterlesen

Lauf Forest, lauf!

Mit dem Ende meiner Therapie hatte ich wieder begonnen, meinen Körper sportlich beim Joggen herauszufordern. Als Kind und Jugendliche habe ich immer viel Sport gemacht, allerdings kann ich nicht behaupten, dass kontinuierliches Laufen zu meinen liebsten Sportarten gezählt hätte. Beim 100-Meter Sprint gehörte ich nie zu den Schnellsten und beim Dauerlauf um den Sportplatz bin ich nach kürzester Zeit an meine Ausdauergrenze gestossen. Weiterlesen