Die Hoffnung stirbt zuletzt

„Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzer.“

Seit meiner Brustkrebsdiagnose habe ich mein Leben recht konsequent nach diesem Motto ausgerichtet. Und ich muss sagen: es lebt sich recht gut damit. Es ist ein Motto, das wahrscheinlich jeder kennt. Vielleicht nimmt es sich der eine oder andere öfter einmal vor, es umzusetzen, doch häufig verschlingt der Alltagsstress und die fehlende Zeit den entsprechenden Umsetzungswillen. Was du heute kannst besorgen, verschiebe getrost auf morgen.

Die Konfrontation mit meinen potentiell eigenen letzten Tagen, Wochen, oder Monaten, die mit der die mit der K-Diagnose schlagartig in mein Bewusstsein getreten ist, hat es mir seitdem sehr erleichtert, mich darauf zu konzentrieren, was mir wichtig ist. Unwichtiges wegzulassen. Das Leben auszumisten. Weiterlesen

Wie geht es dir?

Wie geht es dir? In letzter Zeit habe ich mir immer wieder Gedanken darüber gemacht, wie oft ich wohl diese Frage in den vergangenen zwei Jahren seit meiner Erkrankung gehört habe. Und wie oft sie wirklich eine ernst gemeinte Interessensbekundung, oder doch nur eine beiläufige Floskel war. Fakt ist: Die Bedeutung dieser einfachen vier Worte hat sich im Verlauf der Zeit vor, während und nach der Krebserkrankung stark für mich geändert. Weiterlesen

Auf zu neuen Ufern

Beruf oder Berufung. Das war hier die Frage, die ich mir stellte, nachdem mich meine Krankheit in eine vergleichsweise grosse Job-Sinnkrise gestürzt hatte. Da hatte ich die letzten 15 Jahre damit verbracht, meinen beruflichen Weg zu finden. Hatte mich aus- und weitergebildet, hatte studiert, mich bei diversen Praktika ausprobiert und war dann nach einigen Jahren voller Eifer in einen Berufsalltag gestartet. Im vollkommenen Bewusstsein, dass ich den Weg gefunden hatte, den ich gehen wollte. Die Leidenschaft für das, was ich tat, hatte mich in meinem jugendlichen Leichtsinn vielleicht zu oft über die zu hohe Anzahl an nicht kompensierbaren, im Gehalt bereits abgegoltenen Überstunden hinwegsehen lassen. Das für meine reellen Arbeitsstunden viel zu geringe Gehalt war für mich in meiner Bewertung immer zweitrangig gewesen. Schliesslich war es für mich ja viel wichtiger, dass ich meinen Job gerne machte. Und insgesamt konnte ich von meinem Gehalt ja gut leben. Doch die Zeit für eben dieses Leben wurde irgendwie immer weniger.

Dann kam die Krankheit – und mit ihr all die Fragen über Sinn und Unsinn meiner bisherigen Lebenszeit. Weiterlesen

In aller Freundschaft

Ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Als ich von meiner Krebserkrankung erfuhr, hatte ich mich entschieden, ganz offen in meinem Freundes- und Familienkreis mit diesem Thema umzugehen. Vielen Leuten habe ich die Schocknachricht selbst überbracht. Jeder konnte mich dazu befragen, wenn er es wollte, oder es sein lassen, wenn er es nicht wollte. Und sie waren alle da, meine Freunde, meine Familie. Die Anteilnahme, kleinen und grossen Gesten, die aufmunternden Worte haben mich am Anfang überrascht, überwältigt und getröstet. Die offene Kommunikation mit meinem Umfeld war zugleich ein wichtiger Anker, der mich am und im Leben gehalten und verhindert hat, dass ich ungebremst in die Tiefen von Angst, Krankheit und Therapiemüdigkeit gerauscht bin. Weiterlesen

Lauf Forest, lauf!

Mit dem Ende meiner Therapie hatte ich wieder begonnen, meinen Körper sportlich beim Joggen herauszufordern. Als Kind und Jugendliche habe ich immer viel Sport gemacht, allerdings kann ich nicht behaupten, dass kontinuierliches Laufen zu meinen liebsten Sportarten gezählt hätte. Beim 100-Meter Sprint gehörte ich nie zu den Schnellsten und beim Dauerlauf um den Sportplatz bin ich nach kürzester Zeit an meine Ausdauergrenze gestossen. Weiterlesen

Der Weg ist das Ziel

Gut ein Jahr ist nun her, dass ich aus der Therapie als „gesund“ entlassen wurde. „Du musst jetzt erst einmal schauen, dass du wieder gesund wirst“, haben mir die Leute gesagt, als ich sie mit meiner Krankheit konfrontiert habe. Klar doch, habe ich mir gedacht. Auch wenn mir bewusst war, wo diese Krankheit enden kann, so habe ich doch keinen Moment daran gezweifelt, dass ich es schaffen würde mir das wiederzuholen, was bis anhin so selbstverständlich für mich war: meine Gesundheit. Das einzige und wichtigste Ziel, dass man sich bei einer K-Diagnose setzt, habe ich erreicht; diesen Leuchtturm erfolgreich bestiegen. Und was kommt danach? Weiterlesen

Alles auf Anfang

Ich hatte es wirklich geschafft auf den Leuchtturm zu kommen, hatte all meine Kraft und meinen Lebenswillen in die vergangenen Monate gesteckt, um dieses Ziel zu erreichen. Nicht nur das Ziel, nach neun Jahren Beziehung endlich „Ja“ zu meiner besseren Hälfte sagen zu können, sondern auch das Versprechen einzulösen, bis zu diesem Tag wieder gesund zu sein.

Knapp ein Jahr war es her, dass die K-Diagnose mein ganzes Leben verändert hatte. Nicht nur, weil dieser eine Moment  meine gesamten Vorhaben und Pläne komplett infrage gestellt, sondern auch meine gesamten Hochzeitsplanungen über den Haufen geworfen hatte. Weiterlesen